Virginia City ist ohne Zweifel die bekannteste der ehemaligen Minenstädte in Nevada. Beachtliche 2 Millionen Besucher zählt der kleine Ort pro Jahr, was sicher nicht zuletzt der Tatsache geschuldet ist, dass die weltweit bekannte TV-Serie Bonanza hier angesiedelt war – obwohl sie tatsächlich in einer Studiokulisse in Hollywood gedreht wurde. Für die Serie galt Virginia City als eine typische Westernstadt und in gewisser Hinsicht ist das richtig. Auf jeden Fall kann die heute etwa 900 Einwohner zählende Stadt, die Verwaltungssitz des Storey County ist, auf eine erfolgreiche Geschichte in der Tradition des Westens zurück blicken und diese Geschichte spiegelt sich bis heute in den historischen Gebäuden, die das Stadtbild bestimmen. Virginia City ist als Ganzes seit 1961 denkmalgeschützt.

Im Jahr 1859, als Nevada noch zum von den Mormonen besiedelten und bestimmten Utah Territory gehörte und zehn Jahre, nachdem der Goldrausch in California ausgelöst worden war, machten erfahrene Goldgräber bei Virginia City eine Entdeckung, die große geschichtliche Bedeutung haben sollte. Der Fund eines gewaltigen Silbervorkommens in einem Claim, der zuvor von Henry Comstock registriert worden war, brachte nicht nur großen Reichtum in die Region, sondern sorgte auch für die hastige Loslösung Nevadas vom Einflussbereich der Mormonen und der Aufnahme als Bundesstaat und indirekt für die Entwicklung von San Francisco, wo mit den hier erwirtschafteten Geldern eine Vielzahl von Gebäuden errichtet wurden. Virginia City, das innerhalb weniger Wochen plötzlich auf etwa 10.000 Einwohner gewachsen war (manche Schätzungen gehen sogar von bis zu 30.000 Einwohnern auf dem Höhepunkt der Minentätigkeit aus), veränderte sein Gesicht nachhaltig. Mit den Millionen, die mit dem Silber aus der so genannten Comstock-Ader verdient wurden, wurden nicht nur repräsentative Residenzen gebaut und mit feinsten Materialien ausgestattet, sondern auch eine Vielzahl weiterer Einrichtungen finanziert. Nach kurzer Zeit hatte die Stadt über 40 Saloons und drei Hotels. Virginia City war die wichtigste Ortschaft zwischen San Francisco und Denver und galt als einer der reichsten Orte Amerikas. Es wird geschätzt, dass in den ersten zwanzig Jahren nach der Entdeckung des Vorkommens Silber im Wert von 400 Millionen Dollar gefördert wurde – für die damalige Zeit eine unvorstellbare Summe. Einer der Chronisten dieser Zeit war der für die örtliche Zeitung Territorial Enterprise arbeitende Reporter Samuel Clemens, der hier zum ersten Mal seinen Künstlernamen Mark Twain benutzte, mit dem er später weltberühmt werden sollte. Twain hatte sich zunächst als Goldgräber versucht, war in dieser Profession jedoch erfolglos geblieben. Er verließ die Stadt im Jahr 1864 und ging nach San Francisco.

Im Jahr 1898 wurde die Comstock-Ader als erschöpft erklärt und geschlossen. Ebenso schnell, wie Virginia City den Aufstieg zu einer der bedeutendsten Städte Amerikas erlebt hatte, verlor es diese Bedeutung wieder. Viele Menschen, die direkt oder indirekt von der Förderung des Silbers gelebt hatten, kehrten der Stadt den Rücken und zogen weiter zum nächsten Fundort. Sie ließen eine Stadt zurück, deren schnell gewachsene Infrastruktur und Gebäude zu groß für die verbleibenden Einwohner war, es kam zu Leerstand und Verfall.

Diese Bausubstanz ist heute die wichtigste touristische Attraktion der Stadt. Der gesamte Ort wurde 1961, zusammen mit den umliegenden Ortschaften Gold Hill, Dayton und Silver City als Historic District in das Register historischer Sehenswürdigkeiten aufgenommen. Dieses Register führt Virginia City allerdings inzwischen als “gefährdet”, weil es durch die unterirdischen Minen zu geologischen Verwerfungen gekommen ist, die viele der Gebäude bedrohen. Zudem befinden sich einige der Bauwerke in privatem Besitz und werden von den Eigentümern nicht oder kaum gepflegt, so dass sie vom Zerfall bedroht sind.

Zu den sehenswerten Gebäuden zählt Piper’s Opera House, 1885 erbaut, in dem während der Glanzzeiten der Stadt zahlreiche bekannte Stars aus dem ganzen Land und sogar aus Europa auftraten. Das historische Theatergebäude kann in geführten Touren besichtigt werden. Im Gebäude der Zeitung Territorial Enterprise, in dem mit einigen Unterbrechungen seit mehr als 150 Jahren Zeitungen hergestellt werden, hat man zu Ehren des ehemaligen Reporters Mark Twain ein Museum eingerichtet, in dem sein damaliger Arbeitsplatz hergerichtet wurde und das historische Druckmaschinen zeigt. Das The Way It Was Museum an der C Street, der Hauptstrasse Virginia Citys, stellt dagegen unter anderem Arbeitsgeräte aus, mit denen Ende des 19. Jahrhunderts in den Silberminen der Stadt gearbeitet wurde. Die Comstock Gold Mill an der F Street dagegen demonstriert mit historischen Maschinen, wie vor 150 Jahren Gold aus den Minen vom Gestein getrennt und anschließend verarbeitet wurde. Auch Touren durch einen Teil der ehemals gewaltigen Minenanlage werden angeboten.

Einen Eindruck von der ehemaligen Größe der Stadt erhält, wer die Fourth Ward School besucht. Das Gebäude wurde von 1876 bis 1936 als Schule genutzt und war mit einer Kapazität für 1000 Schüler errichtet worden. Nach einer Restaurierung wurde die Schule 1986 als Baudenkmal wieder eröffnet und kann von Mai bis Oktober in geführten Touren besichtigt werden. Zwei historische Kirchen können in Virginia City ebenfalls besichtigt werden. St. Paul’s Episcopal Church besteht seit 1861, musste nach einem Grossfeuer 1876 aber neu aufgebaut werden und dient seitdem bis heute als Versammlungsort für die Kirchengemeinde. Im Gegensatz dazu überstand die katholische Kirche St. Mary in the Mountains das Feuer ohne Schäden. Diese Kirche, 2009 umfangreich renoviert, diente vor allem den Minenarbeitern irischer Abstammung. Diese und die zahlreichen anderen historischen Bauwerke in der Stadt lassen sich zu Fuss oder stilecht mit einer der angebotenen Touren mit der Pferdekutsche entdecken.

Zwischen Virginia City und dem nahegelegenen Ort Gold Hill, der ebenfalls zum Historic District gehört, entstand seit den 1990er Jahren die historische Virginia and Truckee Railroad, zu deren Fuhrpark mehrere authentische Dampflokomotiven gehören. Endpunkt der Strecke ist das Gold Hill Bahndepot, eines der wenigen aus Holz errichteten Gebäude, das den Großbrand von 1875 überstand. Die gewundene Strecke zwischen den beiden Orten wird zwischen Mai und Oktober befahren.