Das System, nach dem die Präsidentschaftswahlen in Amerika abgehalten werden, unterscheidet sich erheblich von der Art, in der in den meisten anderen Staaten das Staatsoberhaupt bestimmt wird. Der wichtigste und entscheidende Unterschied ist das Bestehen des Electoral College. Dieser Begriff bezeichnet das Gremium, das aus den derzeit 538 Wahlmännern besteht, die de facto den Präsidenten und den Vize-Präsidenten wählen. Das Gremium ist dabei ein virtuelles und kommt nie tatsächlich zusammen, die eigentliche Stimmabgabe der Wahlmänner erfolgt in ihren jeweiligen Heimatstaaten.

Die Zusammensetzung des Electoral College basiert auf der Zahl der Einwohner der Bundesstaaten; je mehr Menschen in einem Bundesstaat leben, desto mehr Wahlmänner darf dieser Staat ins Electoral College entsenden. Das Spektrum reicht davon von drei Stimmen für die sieben bevölkerungsärmsten Staaten bis hin zu 29 für Florida, 38 für Texas und 55 für California. Zusätzlich zu den Gesandten der Bundesstaaten kommen drei Repräsentanten von Washington DC. Da die Einwohnerzahlen in den USA nur alle zehn Jahre im Census offiziell ermittelt werden, kann es unter Umständen während einer Dekade zu einer Unter- oder Überrepräsentanz einzelner Staaten kommen.


Die Wahlmänner der Bundesstaaten geben ihre Stimmen im Electoral College entsprechend dem Wahlsieger in ihrem Heimatstaat ab. Dies geschieht nach dem “winner takes all”- Prinzip. Das bedeutet, dass selbst wenn ein Kandidat in einem Bundesstaat nur mit einem winzigen Vorsprung gewonnen hat, dieser trotzdem alle Wahlmännerstimmen dieses Bundesstaats bekommt. Die einzigen Ausnahmen von dieser Regel sind die Bundesstaaten Maine und Nebraska. Die Winner-takes-all-Regel sorgt vor dem Hintergrund der stark unterschiedlichen Einwohnerzahlen der Staaten dafür, dass unter Umständen ein Präsident gewählt wird, der auf das ganze Land bezogen nicht die Mehrheit der Wählerstimmen für sich gewinnen konnte. In der Geschichte der USA hat es diese Konstellation bisher fünfmal gegeben. Besonders eklatant war dies bei der Wahl 2016, als Donald Trump zwar fast drei Millionen weniger Wählerstimmen gewinnen konnte als Hillary Clinton, aber in 30 der 50 Bundesstaaten gewann und so die Mehrzahl der Wahlmänner hinter sich hatte.

In der derzeitigen Systematik ist es rechnerisch möglich, zum Präsidenten gewählt zu werden, wenn man nur elf der 50 Staaten für sich entscheiden kann. Auf Grund der unterschiedlichen politischen Stimmungslagen in diesen elf Bundesstaaten ist dies zwar eine theoretische Betrachtung, doch die Tatsache, dass einige Staaten als politisch fest bei der einen oder anderen Partei verankert gelten, führt dazu, dass sich der Wahlkampf oft auf einige wenige Bundesstaaten konzentriert, die nicht von vornherein als entschieden angesehen werden. Diese nicht eindeutig einem Lager zuzuordnenden Staaten werden als “swing states” bezeichnet. Hier finden in den letzten Wochen vor dem Wahltermin erwiesenermaßen die meisten Wahlkampfauftritte der Kandidaten statt und es wird am meisten Geld in Wahlwerbung investiert.

Für die Präsidentschaftswahlen 2012, 2016 und 2020 gelten, folgend dem Census von 2010, diese Zahlen von Wahlleuten pro Bundesstaat: