Es gehört zum Pflichtprogramm eines jeden Besuchs in Washington DC: Das Weiße Haus, Arbeitsplatz und Wohnsitz des amerikanischen Präsidenten und Symbol für Amerika insgesamt, ist wahrscheinlich das am meisten fotografierte Gebäude der ganzen Stadt. Möchte man das Weiße Haus besichtigen, so genügt es allerdings nicht, sich zur Adresse 1600 Pennsylvania Avenue zu begeben. Zwar war das White House von Anfang an so konzipiert, dass es ein offenes Gebäude mit Zugang für die Öffentlichkeit sein sollte, doch um den erhöhten Anforderungen an die Sicherheit nach den Terroranschlägen vom September 2001 Rechnung zu tragen, wurden neue Zugangsregelungen für Besucher erlassen. Wer das Weiße Haus von innen sehen möchte, muss sich nun einem vorherigen Hintergrundcheck unterziehen und sich um ein Ticket für eine Führung bewerben.

Das Weiße Haus besteht aus sechs Stockwerken, davon befinden sich zwei unterirdisch. Mit dem Bau war im Oktober 1792 begonnen worden und seit dem Einzug des zweiten amerikanischen Präsidenten John Adams im Jahr 1800 hat jeder US-Präsident in dem Gebäude gewohnt, das im Laufe der Jahre mehrfach erweitert und verändert wurde. Schon Adams’ Nachfolger Thomas Jefferson beauftragte 1801 erste Änderungen und nachdem die Briten im Krieg von 1812 Washingtons wichtigste Gebäude in Brand gesetzt hatten, war erneut eine teilweise Rekonstruktion nötig. 1901 wurde der Westflügel (“West Wing”) eröffnet, 1927 der Dachboden in Wohnräume umgebaut, 1942 kam der Ostflügel hinzu. Harry S. Truman beauftragte schließlich 1948 einen kompletten Rück- und Wiederaufbau der Räume im Inneren, um die Statik des Gebäudes zu stärken.


Beim Bau des Weißen Hauses federführend war der irische Architekt James Hoban, dessen ursprüngliche Pläne allerdings von George Washington mehrfach geändert wurden. Unter den Bauarbeitern waren zahlreiche Immigranten – viele davon noch nicht offiziell im Land anerkannt – und vor allem viele Schwarze, zum einem nicht unerheblichen Teil auch Sklaven. Seinen zunächst inoffiziellen Namen erhielt das White House wegen seiner äußeren Fassade aus Aquia Creek-Sandstein; dem Material, das auch für viele andere offizielle Gebäude in Washington DC verwendet wurde.


Einige der Räume im Inneren haben selbst bereits einen großen Bekanntheitsgrad erreicht. Das berühmteste Zimmer ist zweifellos das Oval Office, das offizielle Arbeitszimmer des Präsidenten. Dieses befindet sich im West Wing. In seiner derzeitigen Form wurde das Oval Office unter der Präsidentschaft von Franklin D. Roosevelt errichtet; vorherige Variationen befanden sich an anderer Stelle im Gebäude. Die Innengestaltung des knapp 11 Meter langen und bis zu 8,8 Meter breiten Büros wird von jedem neuen Präsidenten individuell gestaltet. Im Keller des Westflügels befindet sich der Konferenzraum, der allgemein als Situation Room bezeichnet wird. Das Zimmer wurde auf Anordnung von John F. Kennedy eingerichtet und ist mit der modernsten und sichersten Kommunikationstechnik ausgestattet. Der Situation Room ist täglich rund um die Uhr von mehreren Mitarbeitern besetzt, deren Aufgabe es unter anderem ist, den Präsidenten zu allen aktuellen Entwicklungen in der Welt auf dem Laufenden zu halten. Ebenfalls erwähnenswert sind der Cabinet Room im Westflügel, wo sich der Präsident für Lagebesprechungen mit seinem Kabinett trifft und auf der anderen Seite das Presidential Emergency Operations Center im Untergeschoss des Ostflügels, das mutmaßlich als Zufluchtsort für den Präsidenten während eines Angriffs bereitgehalten wird.

Besucher bekommen diese Räume allerdings nicht zu sehen. Früher war das Weiße Haus grundsätzlich und generell für Besucher geöffnet, heute ist es auf Grund von Sicherheitsbedenken schwieriger geworden, ins Innere zu kommen. Amerikaner müssen einen Termin über ihren zuständigen Kongressabgeordneten ausmachen, ausländische Besucher müssen die Botschaft ihres Heimatlandes in Washington DC kontaktieren. Dabei kann dann eine Anfrage für einen bestimmten Termin bis zu sechs Monate im Voraus gestellt werden. Erforderlich ist dann das Bestehen eines Hintergrundchecks durch das Besucherbüro des Weißen Hauses. Hat man dies – und natürlich auch die Personenkontrollen am Eingang – erfolgreich absolviert, darf man an einer selbstgeführten Tour durch das Gebäude teilnehmen; das Mitbringen von Kameras, Handtaschen und einiger anderer Gegenstände ist nicht erlaubt. Zu beachten ist dabei allerdings, dass es kurzfristig möglich sein kann, dass der öffentliche Zugang zum White House eingeschränkt wird.

Das Weiße Haus gehört offiziell zum unter der Verwaltung des National Park Service stehenden President’s Park. Zu diesem wiederum gehört auch ein Besucherzentrum, das White House Visitors Office (1450 Pennsylvania Avenue, geöffnet täglich ab 7:30 Uhr), das zwar nicht der Ausgangspunkt der Touren ist, aber mit einer Ausstellung zum White House, den Präsidenten und den First Families dennoch eine gute Einstimmung bietet. Der Eintritt ist ebenso kostenlos wie die Teilnahme an einer Tour durch das Weiße Haus.

Übergeordnete Seiten:
Washington DC
US-Präsidenten