Einwohner 71.500
Beiname Corporate Capital of the World
Gründungsjahr 1731

 

Dass die Flagge von Wilmington sehr an die von Schweden erinnert, ist mitnichten ein Zufall. Als die europäischen Nationen im 17. Jahrhundert ihre Kolonien in Amerika errichteten, da beschränkten sich die schwedischen Aktivitäten mehr oder weniger auf das Tal des Delaware River. New Sweden war eine kurzlebige Kolonie, doch sie ließ das Fort Christina zurück, aus dem der Ort Wilmington entstehen sollte.

Die Stadt liegt am Zusammenfluss des Christina River mit dem Brandywine Creek und später mit dem Delaware River in einer Gegend, die hügelig und manchmal felsig ist, nur etwa 40 Kilometer von Philadelphia entfernt. Die Vorherrschaft der Schweden in diesem Gebiet wurde 1655 von den Niederländern unter Stuyvesant beendet, die wiederum 1664 von den Briten vertrieben wurden. In der Zeit zwischen amerikanischer Unabhängigkeit und dem Bürgerkrieg entwickelte sich die Stadt nachhaltig, unter anderem entstand eine Fabrik für Schießpulver. Deren Dienste waren im Civil War sehr gefragt, ebenso wie die Produkte der Schiffswerften, die in der Umgebung ansässig waren. Wilmington erlebte daher in dieser Zeit einen Aufschwung und blieb als Grenzstaat zur Konföderation selbst von Kämpfen verschont. Dank der Industrien sorgten auch die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts jeweils für Boomzeiten in Wilmington.

Heute lebt die Stadt hauptsächlich von der Tatsache, dass sich der Bundesstaat Delaware durch seine Vorgaben für Unternehmensrecht und Unternehmensbesteuerung zu einem bei Firmen außerordentlich beliebten Standort entwickelt hat. Viele der bedeutendsten amerikanischen Firmen haben ihren offiziellen Sitz in und um Wilmington, allerdings haben nur wenige dieser Firmen auch tatsächlich größere Präsenzen in der Stadt. Vor allem Versicherungen, Banken und Finanzdienstleister sind stark vertreten. Bedeutsam ist auch der Hafen, der vor allem für den Import von Früchten und Autoteilen genutzt wird.

Eines der neuesten Aushängeschilder von Wilmington ist das Stadtviertel Riverfront, wo in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mehrere Werften schließen mussten. Ab 1990 wurde dem Viertel ein umfangreiches Renovierungs- und Wiederbelebungsprogramm gewidmet, in dessen Rahmen hier ein neues Konferenz- und Veranstaltungszentrum und ein neues Baseballstadion entstanden. Im Stadion befindet sich auch das Delaware Sports Museum and Hall of Fame (801 Shipyard Drive, geöffnet dienstags bis samstags nachmittags von April bis Oktober). Restaurants, Spazierwege, Geschäfte und ein Hotel findet man hier an der Riverfront jetzt auch und der knapp 2 Kilometer lange Riverwalk am Christiana River ist ein beliebtes Ausflugsziel. Weitere interessante Stadtteile sind das von polnischen Einwanderern geprägte Browntown, Little Italy oder das historische Viertel Quaker Hill, ein Wohnbezirk, dessen historische Architektur zu einem großen Teil aus dem 19. Jahrhundert stammt. Sehenswert ist hier zum Beispiel die katholische Cathedral of Saint Peter (West 6th Street), deren Grundstein 1816 gelegt wurde und deren bemalte Bleiglasfenster von einem Münchener Künstler hergestellt wurden.

Little Italy ist alljährlich im Juni Schauplatz des wohl wichtigsten Events in Wilmingtons Veranstaltungskalender, wenn rund um die St. Anthony’s Church (West 9th Street) das Italian Festival stattfindet, bei dem Kultur, Livemusik und vor allem Essen und Trinken im Mittelpunkt stehen. Das Festival dauert eine ganze Woche und hat Volksfestcharakter, auch Fahrgeschäfte findet man hier. Es ist einer der größten italienischen Festivals in den USA, aber nicht das einzige in Wilmington mit einem ethnischen Hintergrund. Es gibt auch ein polnisches Festival und ein griechisches, dazu die Hispanic Week in Riverfront Mitte September. Ebenfalls in Riverfront wird im Sommer ein ehemaliger Einwohner geehrt, den man nicht so ohne Weiteres in Wilmington vermutet hätte. Das Peoples’ Festival wird zu Ehren Bob Marleys abgehalten, der hier eine Zeit lang lebte; die entsprechende musikalische Begleitung ist selbstverständlich fester Bestandteil des Fests.

Zu den Sehenswürdigkeiten Wilmingtons gehört der Brandywine Zoo (1001 North Park Drive, geöffnet täglich 10-16 Uhr; im Winter montags und dienstags geschlossen). Der Tierpark muss mit verhältnismäßig wenig Platz auskommen, zeigt aber trotzdem Tiere aus aller Welt und von mehr als 50 Arten. Der Zoo blickt auf eine über 100jährige Geschichte zurück. Bei weniger gutem Wetter bietet sich das Delaware Art Museum als Alternativprogramm an (2301 Kentmere Parkway, geöffnet Mittwoch-Sonntag 10-16 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr). Das seit 1912 bestehende Museum konzentriert sich auf amerikanische Kunst, vor allem Illustrationen, hat aber auch einen Schwerpunkt auf Kunst aus England aus dem 19. Jahrhundert. Zum Angebot gehören mehrmals jährlich wechselnde Sonderausstellungen und ein Skulpturengarten. Noch mehr Kunst gibt es zu sehen in den Ausstellungsräumen des Delaware Contemporary (200 S. Madison Street, geöffnet Dienstag und Donnerstag-Samstag 10-17 Uhr, Mittwoch und Sonntag 12-17 Uhr). Bei freiem Eintritt gibt es hier vor allem zeitgenössische Werke von Künstlern aus der erweiterten Region zu sehen. Kulturliebhaber werden sich außerdem sicher für das Grand Opera House interessieren (818 N. Market Street), einem prächtigen Gebäude von 1871 mit gußeisernen Elementen, das einst als Sitz der Freimaurer diente und heute 1200 Zuschauern Platz bieten kann. Hier finden Ballett- und Theateraufführungen statt, das Grand Opera House wird aber auch als Gastspielort für Konzerte genutzt.

Eine ganz besondere Sehenswürdigkeit schließlich macht an verschiedenen Stellen in Wilmington Halt. Mit dem Dreimaster Kalmar Nyckel waren im 17. Jahrhundert die Kolonisten aus Europa angekommen und hatten New Sweden errichtet. Ein Nachbau des prachtvollen Segelschiffs lief 1997 vom Stapel und dient nun als Museumsschiff, das in den Sommermonaten entlang von Delawares Küste unterwegs ist. Das Schiff ist 29 Meter lang und wirkt vor allem dank seiner Großsegel beeindruckend.