Was für Touristen manchmal ein bisschen wie inszenierte Folklore aussieht, hat für Amerikaner, besonders für die in den westlichen Bundesstaaten, eine wichtige Bedeutung und ist ernsthafter sportlicher Wettkampf und Traditionspflege zugleich. Rodeo entstand aus den klassischen, alltäglichen Aufgaben der Cowboys und aus den  Anforderungen, denen diese bei ihrer Arbeit gerecht werden mussten. Cowboys müssen nicht nur mit Pferden gut umgehen können, sondern müssen auch ihre Hilfsmittel so effektiv wie möglich einsetzen können. Aus den vielen Stunden, die die Männer – und heute auch Frauen – allein mit dem Vieh, oft fernab der Zivilisation verbrachten, entstand die  Idee zu einem sportlichen Vergleich dieser Fähigkeiten und damit die Grundlage für das heutige Rodeo.

Ein Rodeo besteht aus verschiedenen Disziplinen,  die an die ursprünglichen Aufgaben auf einer Ranch angelehnt sind.  Normalerweise sind diese Disziplinen das Bullenreiten auf einem ungezähmten Tier (bull riding), das Reiten auf einem heißblütigen Pferd (bronc riding), Slalomreiten um drei Tonnen (barrel racing),  Lassowerfen um den Hals eines Kalbs (calf roping), das Einfangen eines Rinds zusammen mit einem Partner unter Zuhilfenahme des Seils (team  roping) und das steer wrestling, bei dem sich ein Cowboy vom Pferd auf ein laufendes Rind fallen lässt und versucht, es zu Boden zu ringen. Für viele Europäer erscheinen diese Aktivitäten befremdlich und schon mehr als einmal hat es auch in Amerika Proteste von Tierschützern gegen den Umgang mit den Tieren bei Rodeos gegeben. In einigen Orten in den USA (wie auch in  Großbritannien) sind Rodeo-Veranstaltungen aus diesem Grund verboten  worden. Die Verbände haben in den letzten Jahren einiges getan, um die  Bedingungen für die Tiere zu verbessern.

Wie andere beliebte Sportarten hat auch der Rodeosport sein alljährliches Highlight, hier ist es das immer im Dezember ausgetragene National Finals Rodeo in Las Vegas. Für diese hochkarätige Veranstaltung müssen sich die Cowboys in zahlreichen Rodeos zwischen Frühjahr und Spätherbst qualifizieren, die unter dem Dach der Professional Rodeo Cowboys Association (PRCA) organisiert werden. Für Frauen gibt es einen eigenen Sportverband, die WPRA. Neben diesen professionellen Events gibt es gerade in den Sommermonaten unzählige weitere Rodeos überall im Westen des Landes, viele davon mit langjähriger Tradition. Schon in den 1820er Jahren wurden Vergleichswettkämpfe unter Cowboys ausgetragen, 1888 fand in Prescott, Arizona, das erste Rodeo statt, für das die Zuschauer Eintritt zahlen mussten. Bald schon konnte man sogar an der Ostküste der USA Rodeos verfolgen, obwohl Cowboys dort keineswegs zum alltäglichen Straßenbild gehörten. Mehr und mehr wurde Rodeo in erster Linie zum Sport, der oft genug auch im Fernsehen verfolgt werden kann und immer mehr Teilnehmer an den professionellen Events haben in ihrem Leben noch keinen Tag auf einer Ranch gearbeitet. Sogar auf dem College-Level werden bereits Rodeo-Wettkämpfe ausgetragen.




Viele der kleineren Veranstaltungen haben dagegen immer noch die Angestellten der Ranches der Umgebung als Hauptdarsteller und mitunter treten diese auch in Wettbewerben gegeneinander an, die es bei den Profi-Events nicht gibt. Dazu gehört zum Beispiel die Mutprobe, bei der sich vier Teilnehmer auf Plastikstühlen in die Arena setzen und es wird ein wilder Bulle hereingelassen – gewonnen hat dann derjenige, der am längsten sitzen bleibt. In vielen kleineren Orten des Westens hat das jährliche Rodeo den Charakter eines Volksfestes, zu dem dann auch Stände mit Kunsthandwerk, die Wahl einer Rodeo Queen, Live-Musik und andere Elemente gehören.

Rodeos stoßen auch außerhalb des Landes vielerorts auf großes Interesse, vor allem in Kanada und in einigen Ländern Südamerikas. Nicht ganz zu Unrecht aber werden die Cowboy-Wettkämpfe oft vor allem mit den USA und dem so genannten Wilden Westen assoziiert. Hier dienen Rodeos nicht zuletzt auch der Pflege von Traditionen und sind ein unverzichtbarer Bestandteil der Cowboy-Kultur, die sich auch in Literatur und Musik etabliert hat. Wer als Tourist in den USA die Gelegenheit hat, einem Rodeo beizuwohnen, bekommt eine gute Vorstellung von den Elementen, die diese Kultur ausmachen und davon, wie sich die Menschen im amerikanischen Westen sehen.


Einige bekannte Rodeo-Events:

National Western Rodeo – Denver, Colorado (Januar)
Fiesta de los Vaqueros – Tucson, Arizona (Februar)
San Antonio Livestock Show and Rodeo – San Antonio, Texas (Februar)
Houston Livestock Show and Rodeo – Houston, Texas (Februar / März)
Snake River Stampede Rodeo – Nampa, Idaho (Juli)
Cheyenne Frontier Days – Cheyenne, Wyoming (Juli)
Pendleton Round-Up – Pendleton, Oregon (September)
Grand National Rodeo – San Francisco, California (Oktober)
National Finals Rodeo – Las Vegas, Nevada (Dezember)


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